Alle Beiträge von Irmlind Capelle

In eigener Sache

Vom 23. bis 26. September 2019 findet in Detmold/Paderborn die Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung statt. In diesem Rahmen findet am 25. September 2019 in der Musikbibliothek (Hornsche Straße 39) von 14–15.30 Uhr eine sog. „Projekt-Straße“ statt, bei der sich die am Detmolder Institut angesiedelten Projekte vorstellen. Hier ist selbstverständlich auch das Detmolder Hoftheater-Projekt zu finden. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Finden Sie hier jetzt das Poster, das wir als „Zusammenfassung“ unseres Projekts aus diesem Anlass erstellt haben: GfM_Projektstrasse2019_klein

Georg Richard Kruse und „Euryanthe“

Georg Richard Kruse hat für die Lippische Landesbibliothek eine große Bedeutung, denn er gab trotz der Bedenken der Staatsbibliothek Berlin seinen Nachlass in die Detmolder Bibliothek. Da dieser Nachlass unter anderem sehr viele Dokumente zu Albert Lortzing enthielt, trägt das Lortzing-Archiv des Lippischen Landesbibliothek den Namen Georg Richard Kruses. Erste Kontakte zu Detmold hatte Kruse aber als Kapellmeister. Er war hier in der Saison 1888/89 tätig und entdeckte wohl auch in dieser Saison sein dann lebenslang anhaltendes Interesse an Albert Lortzing.

Zu seinem Benefiz als Kapellmeister am 18. März 1889 wählte G. R. Kruse aber nicht ein Werk Lortzings, sondern Carl Maria von Webers große romantische Oper „Euryanthe“. Dies dokumentiert zum einen der erhaltene Theaterzettel http://www2.llb-detmold.de/html/Tz0361.html. Doch auch die Musiker der Aufführung fanden dies bemerkenswert, denn groß  ist auf dem hinteren Umschlag der 2. Klarinettenstimme in rot von K. Kaiser vermerkt: „Detmold, 18. März 1889 Benefiz f. Kapellmstr. Kruse“. Ob die Zeichnung darüber Kruse darstellen soll, ist nicht bekannt.

Sign.: Mus-n 242 (37)

 

 

Schreiben mit Noten

Immer wieder kommt es vor, dass Musiker am Ende der Stimme nicht „normalen“ Text schreiben, sondern die Worte mit Tonbuchstaben wiedergegeben. Besonders ausführlich waren hierbei zwei Chor-Bassisten, die bei Spohrs Oper „Jessonda“ mitwirkten. Dass bei dieser Schreibweise die Lesbarkeit – auch wegen eventueller Fehler – nicht eben zunimmt, sei nur am Rand bemerkt.

„Notenschrift“ am Ende der Stimme Mus-n 224 (23)
Der Text lautet: „Joseph Mayer II Basist“ und „O , elend, one bier“
Man beachte den Schlüsselwechsel in Zeile 2
„Notenschrift“ am Ende der Stimme Mus-n 224 (20)
Der Text lautet: „O scherer du bisd [sic] der II schauspieler“ und „scherer unb [sic] kein Esel“

Ochsen-Menuett

Nein, nicht ein Menuett getanzt von einem Ochsen ist das Thema dieses Singspiels, sondern die Anekdote, dass Joseph Haydn einem reichen ungarischen Metzger für die Hochzeit von dessen Tochter ein Menuett geschrieben habe und sich dieser dafür mit einem großen, lebenden Ochsen bedankt habe.

Aus dieser Anekdote hat Georg von Hofmann, Sekretär und Operndichter am Theater an der Wien, 1823 ein Singspiel mit dem Titel „Die Ochsen-Menuett“ oder „Die Ochsen-Menuette“ gedichtet, zu dem Ignaz Ritter von Seyfried die Musik, basierend auf Kompositionen Haydns, eingerichtet hat. Solche Vaudevilles waren im frühen 19. Jahrhundert sehr beliebt und vielleicht war eine der Aufführungen dieses Stückes 1822/1833 am Detmolder Hoftheater für Albert Lortzing, der dabei die Rolle des Jantsi (Schüler von Haydn) spielte, die Anregung, seine „Szenen aus Mozarts Leben“, die ausschließlich auf Kompositionen Mozarts basieren, zu schreiben.

Das Detmolder Hoftheater-Material (Mus-n 216) zu diesem Singspiel ist vollständig erhalten und enthält einen der wenigen überlieferten ausdrücklich für dieses Theater erstellten Text-Drucke. Es handelt sich nur um die Texte der Gesänge und wurden diese in Münster gedruckt.

Darüber hinaus findet sich in diesem Material ein Hinweis auf den Detmolder Schauspieler W. Granfeld, der von 1831 bis 1834 am Hoftheater engagiert war. Auf dem Vorsatzblatt der Partitur ist mehrfach das Kürzel „GfWG“ notiert und der Eintrag auf der Singstimme des Eduard zeigt, dass es sich dabei um das Kürzel von Granfeld handelt:

Der Vermerk auf dem Vorsatzblatt der Partitur, der mehrfach wie bei einer Schreibübung notiert ist,  bedeutet nicht, dass die Partitur aus dem Besitz Granfelds stammt: Sie ist bereits 1828 in der Taxation erwähnt und wurde also von August Pichler mitgebracht.

Die Erfassung dieses Materials erbrachte neben diesen Besonderheiten außerdem die 2.000 Rollendatei, d. h., dass zu 2.000 personae dramatis Dateien angelegt sind und diesen nun ebenfalls Informationen aus dem umfangreichen Aktenmaterial zugeordnet werden können.

 

 

 

Neue Zeichnung zum Kostüm

In den Materialien zu „Otello“ von Gioacchino Rossini (Mus-n 204) fand sich auf dem hinteren Umschlag der Violine 1 (25) eine Zeichnung der Figur des Otello. Sollte sie gleichzeitig mit dem Eintrag darüber entstanden sein, so ist sie erst von 1857. Doch scheint die Zeichnung ein reales Kostüm des Otello wiederzugeben.

Erster „Fund“ zum Tanz in den Opern

Zur Zeit häufen sich die interessanten Neuigkeiten, doch diese hat Vorrang: Erstmals fand sich in den Materialien zu Wilhelm Tell von Gioachino Rossini (Mus-n 202) ein Dokument zur Ausführung eines Tanzes. Tänze werden ja häufig in Opern verlangt, doch Wilhelm Tell ist besonders reichlich damit gesegnet: Es gibt im ersten Akt einen „Choeur Dansè“ – wie es in den Quellen heißt – und im dritten Akt einen „Pas de trois mit Chor“ und einen „Pas de soldats“.

Das Blatt mit den Schrittfolgen liegt einer Correpetir-Stimme bei, die für die Einstudierung der Tänze im 3. Akt (Nr. 15 und 16) geschrieben wurde.

Mus-n 200 erfasst

Als Zwischenstand melden wir mit einem gewissen Stolz: Wir haben in unserem Portal jetzt 200 Aufführungsmaterialien erfasst, d. h. zu 200 Werken, die am Detmolder Hoftheater mit Musik gegeben wurden, sind die erhaltenen Partituren, Sing-, Chor- und Orchesterstimmen sowie ggf. Klavierauszüge, Textbücher und Rollenhefte erfasst. Dabei wurde neben der inhaltlichen Beschreibung ein besonderer Wert auf die Übertragung der Eintragungen, die sich häufig auf dem Titelblatt oder am Ende des Stück finden, gelegt. Hierbei handelt es sich um die Namen der Ausführenden und um Daten und Ortsangaben, an denen das Material verwendet wurde. Darüber hinaus wurden große Teile der überlieferten Theaterakten erfasst. Um die Materialien zu einander in Beziehung setzen zu können, werden Personen (bisher 1435), Werke (bisher 1063) und die dramatis personae (bisher 1865) mit eindeutigen Identifiern gekennzeichnet, so dass z. B. im Datensatz zu einer Person alle zu dieser erhaltenen Informationen aus dem Bestand abrufbar sind.

Besuchen Sie unser Portal und lassen Sie sich überraschen!

Übrigens verbirgt sich hinter der Signatur das Material zu der Oper „Die diebische Elster“ von Gioacchino Rossini.

Zeichnung aus der Parthie des Gianetto

Das Portal wächst

Die Informationen, die im Portal zusammengetrgen werden, nehmen fast täglich zu. Auf diese Erweiterung möchten wir jedoch besonders hinweisen. Vor wenigen Tagen ist die Übertragung der „Taxation 1828“ online gestellt worden. Es handelt sich hierbei um eine Aufstellung der Materialien, die August Pichler in den Hoftheaterbestand eingebracht hat. Der Original-Titel der Akte lautet: „Taxation der dem Schauspieldirektor Pichler gehörigen
Garderobe, Decurationen, Opern und Melodramen. volzogen den 15ten April 1828“. Aufgelistet sind über eintausend Garderoben-Stücke vom „echten grünen Sammtmantel“ im Wert von 12 Thalern bis zum dreieckigen Huth im Wert von 6 Groschen, aber auch mehr als einhundert Dekorations-Stücke wie „Ein Altdeutschersaal mit Rückwand und 4 Coulissen“ im Wert von 20 Thalern  oder eine Wasserwelle im Wert von 16 Groschen. Abschließend sind aber auch die Aufführungsmaterialien aufgelistet, die Pichler in den Bestand mit eingebracht hat, so dass für diese Materialien ein Datum ante quem der Beschaffung, nämlich der 15. April 1828,  feststeht.

Der Nutzer muss nun aber nicht bei jedem Material einzeln prüfen, ob dieses schon in Pichlers Bestand war, sondern diese Information ist – wie auch die Informationen zu Aufführungsdaten, Einnahmen, Ausgaben etc – direkt bei den Werkdaten abrufbar.

Wer sich aber einen Überblick über Theatergarderobe und Dekoratonselemente eines reisenden Theaters im frühen 19. Jahrhundert verschaffen möchte, der „muss“ die Auflistung selbständig durchsehen.

Der Kopist Friedrich Elzner in Eile

Friedrich Elzner, der am Detmolder Hoftheater als Schauspieler und Sänger angestellt war, verdiente sich zusätzlich Geld durch das Kopieren von Noten und war als Bibliothekar zuständig für das Aufführungsmaterial der Hoftheater-Gesellschaft. Man findet deshalb Spuren seiner Handschrift auf fast jedem Material, da er Inventarnummern vergab, den Umfang jeder Stimme auf dem Titelblatt vermerkte und Korrekturen und Ergänzungen vornahm. Die Handschrift von Friedrich Elzner ist sehr charakteristisch und deshalb leicht zu erkennen. Sie ist etwas verschnörkelt, aber sehr sauber, einheitlich und klar.

Stimmen, die Elzner kopierte, zeichnete er am Ende immer mit Orts- und Datumsangabe.  Die Stimmen zu dem in der Zeit sehr beliebten Vaudeville „Rataplan der kleine Tambour“ von Ferdinand Pillwitz (Mus-n 192) hat Elzner vollständig aus der Partitur, die am 9. Juni 1831 in Bremen geschrieben wurde, abgeschrieben. Jede Stimme ist am Ende gezeichnet mit „Pyrmont im July 831.“.

Im Jahre 1834 entschloss man sich, in dieses Vaudeville eine neue Nummer einzufügen, die als Nr. 1 1/2 gezählt wurde. Diese Nummer,  ein „Trommellied“, hat Elzner am 18. Dezember 1834 in der Partitur auf den letzten bis dahin leeren Seiten ergänzt und dann am 21. Dezember in allen Orchesterstimmen nachgetragen. Hierbei muss er ungwöhnlich in Eile gewesen sein. Man sieht dies weniger an der Notenschrift, aber die Signatur am Ende, auf die er in keiner Stimme verzichtet, und vor allem das „d’al Segno“ sind ungewöhnlich flüchtig geschrieben.