Das Modell

Innerhalb des Pilotprojekts wird ein Datenmodell entwickelt, das langfristig auch von anderen Bibliotheken für die Erschließung ähnlicher Bestände genutzt werden kann. Die Grundlage dieses Modells bilden die beiden XML-basierten Codierungsstandards der Music Encoding Initiative (MEI) und der Text Encoding Initiative (TEI). Beide erlauben sowohl eine bibliothekarische als auch eine wissenschaftliche Erfassung der Dokumente und bringen durch ihre Anbindung an internationale Datenstandards die Möglichkeit eines gezielten Mappings zu den Datenbeständen anderer Bibliotheken oder Forschungseinrichtungen mit sich.

Datenorganisation nach dem FRBR-Modell

Die Erschließung der Musikalienbestände basiert auf dem von der IFLA entwickelten Modell der Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR).
FRBR

Abb. 1: FRBR-Entitäten der Gruppe 1

Die RISM-Dateien, die als Basis für die Erschließung der Aufführungsmaterialien herangezogen wurden, vereinen in sich Informationen zu den jeweiligen Werken, den Ausprägungen eines Werkes und die Quellenbeschreibungen der Materialien. Diese unterschiedlichen Informationsebenen werden im Datenmanagement des Projekts separat erfasst, sodass für jedes erschlossene Aufführungsmaterial je eine Werkdatei (work), eine Expression-Datei (expression) und eine Datei mit den detaillierten Quellenbeschreibungen (source) angelegt wird.
Datenebenen_Modell

Abb. 2: Datenebenen zur Beschreibung der Aufführungsmaterialien

Die Quellenbeschreibungen selbst enthalten neben generellen Informationen zum Material die Beschreibungen der enthaltenen Einheiten, wie z.B. Partitur, Stimmen, Textbücher, Rollenhefte etc.

source_component

Abb. 3: Auszug aus der Quellenbeschreibung einer Solo-Partie (“Parthie Alidor” aus Isouards Cendrillon, Mus-n 120)

Als Verbindungselement zwischen Werkdateien und den Quellenbeschreibungen dienen die Expression-Dateien, in denen Merkmale einer bestimmten Ausprägung eines Werkes erfasst werden. Hier werden dauerhaft auch die mit MEI codierten Incipits aller musikalischer Einheiten eines Werkes erfasst.

Verknüpft und zueinander in Beziehung gesetzt werden die verschiedenen Datenebenen mit Hilfe der FRBR-Relationen “hasRealization/isRealizationOf”, “hasEmbodiment/isEmbodimentOf” und “hasPart/isPartOf”.

Verknüpfungen zwischen den Musik- und Textdokumenten

Als eines der wichtigsten Verbindungselemente zwischen den musikalischen Dokumenten (Aufführungsmaterial) und den Textdokumenten (Aktenmaterial) können die zahlreichen am Hoftheater beschäftigten oder in sonstiger Weise mit dem Theaterbetrieb verbundenen Personen gelten. Daten zu den einzelnen Personen werden in einzelnen Personendatensätzen erfasst, die mit einer eindeutigen Identifikationsnummer gekennzeichnet sind. Sofern bereits Einträge in der Gemeinsamen Normdatei (GND) oder der Virtual International Authority File (VIAF) vorhanden sind, wird eine entsprechende Verlinkung im Datensatz vorgenommen. Bei jeder Erwähnung innerhalb der Materialien werden die Personen mit dieser Identifikationsnummer verknüpft, sodass sich langfristig ein detailliertes Bild der Aktivitäten einer jeden Person ergibt.

Über die Personen hinaus werden sich weitere wesentliche Verknüpfungspunkte zwischen den Materialien über das Repertoire ergeben. Die einzelnen Werke werden dazu in einer Werkdatei erfasst, auf die mit Hilfe von Identifikationsnummern referenziert werden kann.

Eine Übersicht über die Verbindungen zwischen den einzelnen Materialarten zeigt folgendes Schaubild über die Datenrelationen, auf denen das entwickelte Portal basiert:
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Abb. 4: Relationen zwischen den verschiedenen Datenebenen und Materialarten