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Sitzplan des Detmolder Hoftheaters

In einem Stadt- und Umgebungsführer von Detmold aus dem Jahre 1902, den die Lippische Landesbibliothek freundlicherweise digitalisiert hat, findet sich eine Beilage zum Fürstlichen Theater, die u. a.  einen Übersichtsplan des Hoftheaters Detmold enthält, den wir gerne an dieser Stelle einzeln zugänglich machen. Leider ist die dort ebenfalls wiedergegebene Innenansicht so unscharf, dass sich deren Wiedergabe nicht lohnt.

Führer und Beschreibung der Residenzstadt Detmold und ihrer Umg

aus: Führer und Beschreibung der Residenzstadt Detmold
und ihrer Umgebung (1902), Sign.: LK 316

Den Link zum vollständigen Digitalisat dieses interessanten Führers finden Sie in unserer Rubrik “Materialien”.

Auch die Frauen malen in Noten …

Bisher stammten alle Zeichnungen aus Noten von Herren. Doch im Material zu Heinrich Marschners Oper “Der Vampyr” (Mus-n 123) fanden sich jetzt die ersten Zeichnungen von Frauen und eine davon ist sogar namentlich   gezeichnet:

Sopran

Unter der Zeichnung steht: “Das bin ich” (siehe den Ausschnitt unten)
und darunter ist angemerkt:
“Wir haben die Oper sehr schön gelernt. Agnes Pfister Clara Helling”

Welche der beiden Damen sich hier portraitiert hat, ist nicht bekannt.

Sopran_Ausschnitt

In einer Alt-Stimme sind ohne Namensnennung Blumen etc. gezeichnet.

Alt - Blumen

“Der Freischütz” als Steinbruch …

… unter anderem in dem Vaudeville “Sieben Mädchen in Uniform” von Louis Angely
(Mus-n 22) aus dem Jahre 1825. In dem Chor Nr. 16 wird dort der Spottchor des Kilian in der originalen Instrumentierung wiederverwendet, aber mit dem Text: “Wachet auf Ihr feigen Memmen, wollt Ihr unsre Schritte hemmen, harret Eurer strenger Lohn!”

Engagementsgesuche

Bekanntmachung_1840

Das Detmolder Hoftheater abonnierte von Beginn an, d. h. seit 1832, die “Allgemeine Theater-Chronik”, eine Zeitschrift, die alle für ein Theater wichtigen Informationen verbreitete: Berichte und Repertoires von den einzelnen Bühnen, aber auch Personalverzeichnisse der Ensembles. Wollte man also wissen, was auf den großen Bühnen in Berlin, München oder Mannheim oder auch im Ausland gespielt wurde, so wurde man hier ebenso fündig wie bezüglich der Information zum Engagementsort einzelner Darsteller. Am Ende jeder Ausgabe, die nur jeweils 4 Seiten umfasste, gab es darüber hinaus eine Rubrik “Intelligenzblatt”, in der Verlage oder Autoren für Stücke werben konnten oder einzelne Personen auch Engagementsgesuche veröffentlichen konnten.

Am 15. Mai 1840 schaltete das Fürstl. Hoftheater in dieser Rubrik eine Anzeige, die belegt, dass das Interesse an einem Engagement bei dem Ensemble so groß gewesen sein muss, dass man nicht alle Anfragen beantworten konnte, denn warum sollte man sonst schreiben: “Alle an die Intendance und Direktion des Fürstlichen Hoftheaters zu Detmold, gerichteten Engagements-Briefe, welche binnen drei Wochen nicht beantwortet werden, sind als unberücksichtigt zu betrachten.”

Kreative Musiker

Das Material zu Albert Lortzings Erfolgsoper Zar und Zimmermann (Mus-L 42 a 1 bzw. Mus-L 42 r 1) wurde sehr lange verwendet: Das Hoftheater erwarb die Partitur 1839, die Stimmen wurden bis Januar 1840 ausgeschrieben und die Erstaufführung erfolgte am 15. März 1840 in Detmold. Diese Orchesterstimmen wurden dann über achtzig Jahre verwendet –  die letzten Eintragungen stammen aus dem Jahre 1923.

In den Orchersterstimmen gibt es sehr häufig am Ende Eintragungen. Hierbei handelt es sich z. T. nur um Namens- und Datumsvermerke, gelegentlich aber auch um nähere Angaben  zu Aufführungen wie besondere Mitwirkende oder Anlässe (Benefize, Jubiläen). Bei zahlreichen Stimmen zu Zar und Zimmermann sind deshalb freigelassene Seiten am Ende bzw. die Innenseite des Rückumschlags mit Einträgen übersät, wie das Bild aus der Stimme der Oboe 1 zeigt.

vollgeschriebene SeiteMit Eintragungen übersäte Seite aus der Stimme der Oboe 1 zu Zar und Zimmermann von Albert Lortzing. Sign.: Mus-L 42 a 1 (21)

Gelegentlich gibt es aber auch sehr hübsche Zeichnungen, die manchmal auch Bezug auf die jeweilige Oper nehmen, wie die Zeichnung aus der Stimme des 2. Fagotts.  Wieviel Ähnlichkeiten dieses Bild des van Bett mit der realen Darstellung der Rolle auf der Bühne hat, lässt sich nicht ermitteln. (Ebensowenig natürlich eine Ähnlichkeit des laufenden Cellisten mit einem Orchestermitglied.) Zumindest war ein anderer Fagottist mit der Zeichnung nicht einverstanden, denn er kommentiert: “Das ist gar nischt!”

Ich bin klug_AusschnittZeichnungen auf dem hinteren Umschlag der Stimme des 2. Fagotts zu
Zar und Zimmermann von Albert Lortzing. Sign.: Mus-L 42 a 1 (26)
Neben der linken Figur steht “Ich bin klug und weise mich betrügt man nicht”, was diese Figur eindeutig als ein Porträt des Bürgermeisters van Bett ausweist.