Projektbeschreibung

Die in der Lippischen Landesbibliothek Detmold zur Geschichte des Detmolder Hoftheaters verwahrten musikalischen und archivalischen Quellen sind in ungewöhnlicher Breite und Fülle erhalten. Ergänzt werden sie durch Materialien aus dem Landesarchiv Detmold (Personalakten etc.) und dem Staatsarchiv Osnabrück (Theaterzettel). Diese Materialien, die bislang entweder nur standardmäßig z. B. im Internationalen Quellenlexikon der Musik (RISM) (Musikalien) erfasst oder sogar lediglich durch maschinenschriftliche Regesten (Theaterakten) sowie z. T. handschriftliche Zettelkataloge ausgewertet sind, sollen im Rahmen des Projekts kontextuell erschlossen werden.

In der ersten Projektphase geht es darum, die überlieferten musikalischen Quellen (Partituren, Stimmen und Partien, Libretti, Rollenhefte) einerseits detailliert zu beschreiben (inkl. enthaltener Einlagen bzw. Striche sowie handschriftlicher Einträge zu Personen und Aufführungen) und andererseits die archivalischen Quellen im Volltext oder als Regesten zu erfassen. Im Rahmen dieser kontextuellen Tiefenerschließung sollen den erschlossenen Musikalien etwa Informationen aus den Einnahme-Journalen oder den Regiebüchern des Theaters zugeordnet werden. In der Folge könnte dann beispielsweise ein mit Normdaten angereichertes Rollenverzeichnis aller mitwirkenden Schauspieler oder Sänger erstellt werden.

Diese sogenannte kontextuelle Tiefenerschließung wird auf der Basis eines → Modells vollzogen, das innerhalb des Pilotprojekts entwickelt und erprobt werden soll, damit es langfristig auch von anderen Bibliotheken für die Erschließung ähnlicher Bestände genutzt werden kann. Die Grundlage dieses Modells bilden die beiden XML-basierten Codierungsstandards der Music Encoding Initiative (MEI) sowie der Text Encoding Initiative (TEI), die beide sowohl eine bibliothekarische als auch eine wissenschaftliche Erfassung der Dokumente erlauben und durch ihre Anbindung an internationale Datenstandards die Möglichkeit eines gezielten Mappings zu den Datenbeständen anderer Bibliotheken oder Forschungseinrichtungen mit sich bringen.

Die Projektergebnisse werden in einem Portal zusammengeführt, in welchem die Digitalisate der Materialien mit den XML-basierten Erschließungsdokumenten mit Hilfe der in Detmold entwickelten Software Edirom Online verknüpft werden. Die Präsentation der Ergebnisse trägt auf diese sehr anschauliche Weise dazu bei, dem heutigen Forscher oder interessierten Laien ein Bild vom Wirken des Detmolder Hoftheaters in seiner Blütezeit zu vermitteln.

Im Kontext der Entstehung des neuen FORUMS „Wissenschaft | Bibliothek | Musik“ ergreift das Hoftheater-Projekt schon jetzt die vielversprechenden Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit der Bereiche Musikwissenschaft, Landesbibliothek und Landesarchiv.